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Sockeldämmung: Aufbau der Dämmung und Arbeitsschritte

Expertentipps für Hausbesitzer und Sanierer

Keller
 
Die Planung der Sockeldämmung (auch Perimeterdämmung genannt) beginnt mit der Bestandsaufnahme. Wie die Sockeldämmung für bestmöglichen Wärme- und Feuchteschutz aufgebaut sein muss und welche Arbeitsschritte nach der Bestandsaufnahme bei der Dämmung nötig sind, erläutert Bauingenieur Günter Kohlbecker für Energie-Fachberater.de.
Hauswand mnit Sockeldämmung und Übergang zur FassadendämmungBild größer anzeigen
In der Praxis sollten Hausbesitzer darauf achten, dass die Sockeldämmung (Perimeterdämmung) nicht vor die Fassadendämmung vorspringt, da sonst der herab rinnende Regen in den Stoß dringen kannFoto: www.Energie-Fachberater.de

Wärmedurchgangskoeffizient und Wärmeleitgruppe
Mit dem Wärmedurchgangskoeffizient, verkürzt U-Wert, wird der spezifische Kennwert von Fassade und Kellerwand ausgedrückt. Er setzt sich zusammen aus der Wärmeleitfähigkeit (WLG) von Wand und Dämmung. Bei der Wärmeleitfähigkeit - marktgängig sind die WLG 040 und 035 - gilt folgende Abhängigkeit: Je kleiner die Zahl desto besser ist der Dämmwert und desto dünner kann die Dämmplatte sein. Beim Neubau geht der U-Wert aus dem Wärmeschutznachweis hervor, bei Altbauten ist die Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) die Richtschnur, sie gibt den U-Wert vor. Der Fachplaner ermittelt aus dem U-Wert unter Beachtung des Dämmkonzepts vom gesamten Haus die wirtschaftliche Dämmstärke. In vielen Fällen haben sich Plattenstärke von 8 bis 10 cm (WLG 040 bzw. 035) als ausreichend zur Sockeldämmung herausgestellt. In der Praxis sollte darauf geachtet werden, dass die Sockeldämmung nicht vor die Fassadendämmung vorspringt, da sonst der herab rinnende Regen in den Stoß dringen kann.

Alle Kellerwände sind in gleicher Stärke zu dämmen. Der Grund leuchtet ein, jede un- bzw. schwächer gedämmte Stelle ist eine Kältebrücke, an der sich die im Keller immer vorhandene Feuchtigkeit als Kondenswasser niederschlägt. Die Unterkante wird nach den angesprochenen Gesichtspunkten bestimmt, die Oberkante, ist durch den Beginn der Fassadendämmung festgelegt. Hierbei sollte dieser Stoß der unterschiedlichen Materialien wegen des hochspritzenden Regens möglichst hoch über Gelände sein, mindestens jedoch 30 cm.

Aufbau und Spezifikation der Dämmung
Die Anforderungen an die Sockel- oder Perimeterdämmung unterscheiden sich von denen der übrigen Fassade in folgenden Punkten:

  • der Temperaturunterschied ist annähernd gleich und sinkt von der Außentemperatur im oberen Bereich bis auf annähernd konstant + 8° C in der Frosttiefe
  • über dem Gelände steht Nässe in Form von Spritzwasser oder Schnee an, unten ist die Umgebung ständig erdfeucht.

Die Perimeterdämmung hat folgenden Aufbau:

  • Abdichtung der Kellerwand aus Beton oder Mauerwerk: Marktüblich ist die Flüssigdämmung auf Bitumenbasis, Höhenunterschiede in der Wand werden damit ausgeglichen, Risse überbrückt und geschlossen. Die Dicke der Abdichtung beträgt etwa 2 mm.
  • Dämmung mit geringer Fähigkeit zur Wasseraufnahme und schwer verrottbar: Die Dämmstärke wird hauptsächlich durch Stärke und Aufbau des Wärmedämmverbundsystems (WDVS) der Fassade bestimmt. Anzustreben ist ein Rücksprung oder ebener Übergang der Sockeldämmung. Als wirtschaftlichstes Material hat sich Polystyrolextruderschaum (Kurzbezeichnung XPS) bewährt. Es hat eine geringe Wasseraufnahme und ist druckfest.  Marktgängig sind Stärken von 6 bis 10 cm mit WLG 040 bzw. 035. Die Platten werden aufgeklebt, bei Altbauten müssen sie zusätzlich verdübelt werden.
  • Der Übergang zur Fassadendämmung: Als Fassadendämmplatte wird meist Polystyrolhartschaum (Kurzbezeichnung EPS) eingesetzt, bei Aufnahme von Feuchtigkeit verschlechtert sich ihr Wärmedämmwert und im Bereich des Stoßes steigt bei Frost die Gefahr von Schäden. Der Übergang der unterschiedlichen Materialien ist deshalb zusätzlich zu schützen. Dies geschieht durch Überdecken mit einem durch Glasfaser verstärktem Gewebe, das gegen Wasser resistent ist. Es trägt etwa 2 mm auf.
  • Oberputz im bewitterten Bereich: Er dient zum Ableiten des Regens und zur Gestaltung des Übergangs der Fassade in das Gelände. Der Oberputz ist ein Zementmörtel und 2 - 3 cm stark. Er erhält eine farbliche Deckbeschichtung.
  • Schutz der Dämmplatte im Bereich unter Gelände (unterhalb des Putzes) gegen mechanische Beschädigung durch spitze Steine: Meistens wird eine Noppenfolie zwischen dem Auffüllmaterial und der Dämmplatte eingestellt. Die Stärke beträgt zwischen 0,5 und 0,8 cm.

Eine Addition der einzelnen Stärken ergibt ein Gesamtmaß zwischen 10 und 14 cm, je nach gewählter Dämmstärke.

Arbeitsschritte zur Sockeldämmung
Ist die Planung beendet, fallen bei Arbeiten an Altbauten folgende Tätigkeiten an:

  • Räumen der Arbeitsfläche neben dem Haus, zwischen 1,40 m und 2,70 m (je nach Höhe der Dämmung)
  • Aushub des Erdreichs auf die erforderliche Tiefe und zwischenlagern Reinigen der freigelegten Wand im Bestand und bei Erfordernis trocknen Aufbringen der Abdichtung
  • Anbringen der Dämmplatten und befestigen durch Verdübeln
  • Überdecken des Materialstoßes zwischen Sockel- und Fassadendämmung
  • Aufbringen des Oberputzes und beschichten desselben
  • Einstellen der Noppenfolie
  • Verfüllen mit dem zwischengelagerten Erdreich soweit es versickerungsfähig ist, das "Stauen" des Regens sollte vermieden werden.
 
 
 
Quelle: Günter Kohlbecker
 
 
 
 

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