Expertenrat

Aus meiner Flachdachdämmung tropft Wasser. Was kann ich unternehmen?

Unser Experte Dipl.-Ing. Frank Nowotka antwortet

Frage von Wolfgang  S. am 05.03.2019 

Ich besitze ein Haus mit Flachdach, wobei es trotzdem nach 2 Seiten leicht geneigt ist. Dachbelag ist eine Folie von Braas. Das Dach wurde 2009 mit OSB-Platten (auf die Sparren) verschraubt und darauf die Folie verlegt.

Bei der Gelegenheit wurde die gesamte Innendecke (Nut und Feder) abgenommen, die alten modrigen Dämmfilz aus den Sparren genommen und mit Dämmmatten neu gedämmt. Dabei wurde die Zwischensparrendämmung vollgemacht, d.h. bündig mit den 16 cm Sparrentiefe. Vor 2 Jahren lief erstmals Wasser an 2 Wänden herunter und ich vermute, dass es Schwitzwasser ist. Wie sollte man da vorgehen?

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Mit Ihrer Vermutung, dass es sich um sogenanntes „Schwitzwasser“ handelt, haben Sie wahrscheinlich recht. Ursache könnte eine oder mehrere Luftundichtheiten in der Ebene Innendecke sein, wie sie u.a. häufig am Übergang zu den Wänden anzutreffen sind. Treten dort Luftleckagen auf, z.B. durch nicht luftdicht verklebte Dampfbremsen, kommt es zur Einströmung von stark wasserdampfhaltiger Warmluft aus dem Wohnraum in den Bereich oberhalb der Innendecke. Der Vorgang, der mit dem Auswandern der nach oben steigenden Warmluft durch Leckagen in der Innendecke beginnt, endet mit der Kondensation von Wasserdampf an kühleren Flächen. Da Mineralwolle der mit Wasserdampf angereicherten Luft keinen Widerstand entgegensetzt, kommt es so z.B. zur Kondensation von Wasserdampf an der Unterseite der im Winter kalten OSB-Platten.

Dieses Phänomen lässt sich häufig bei Innen- bzw. Zwischendecken beobachten, die Material- bzw. konstruktionsbedingt Leckagen aufweisen. Dazu gehören z.B. Decken mit Nut-Feder-Schalung oder Kassettendecken oder/und Konstruktionen, die keine sauber luftdicht verlegte Dampfbremse besitzen.

Wenn dieser Sachverhalt zutrifft, muss zunächst die Innendecke (bis auf die waagerechte Montageebene für die Elemente der Innendecke) entfernt werden. Anschließend muss eine feuchtevariable Dampfbremse an der Unterseite der Konstruktion so verlegt werden, dass keine Leckagen bleiben.

Feuchtevariable Dampfbremsen sind spezielle Materialien, die bei hohen Luftfeuchten dem Wasserdampf der Luft einen höheren Widerstand entgegensetzen als bei niedrigeren Luftfeuchten. An den Rändern zu den Wänden muss diese Dampfbremse mittels Klebepaste oder speziellen Klebeband luftdicht angeschlossen werden. Anschließend wird eine 2 bis 3 cm starke Lattung an die Konstruktion der Decken aufgeschraubt, an die dann später z.B. Gipskartonplatten montiert werden. Der entstehende niedrige Hohlraum dient als Installationsebene, in dem z.B. Kabel verlegt werden können, ohne dabei die luftdichte Dampfbremse zu verletzen.

Bei der Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, dass der Wärmedämmstoff eigentlich auf die waagerechte Montagebene der Zwischendecke gehört. Eine Dämmung der Flachdachschräge ist weniger empfehlenswert, da sich der Luftraum zwischen Dachschräge und Zwischendecke dabei unnötig mit erwärmt.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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