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Fassadenfarben geben dem Haus einen neuen Look

Beschichtungen und Anstriche richtig auswählen

Fassade
 
Eine frische Farbe, eine neue Optik - nach einer Fassadensanierung erstrahlt jedes Haus in neuem Glanz. Wichtig bei der Auswahl der Fassadenfarbe sind die Verträglichkeit mit dem Untergrund und der Witterungsschutz. Experte Frank Frössel erklärt, wie Hausbesitzer die richtige Farbe finden und der neue Look der Fassade lange schön bleibt.
Handwerker beim Streichen einer Fassade mit roter FarbeBild größer anzeigen
Neuer Look für die Fassade: Aber nicht nur die Optik zählt, auch die Eigenschaften der Fassadenfarbe müssen zum Untergrund passenFoto: KfW-Bildarchiv / Fotograf: Thomas Klewar

Eines vorweg: Die "ideale Fassadenfarbe" gibt es nicht. Jeder Anstrich- oder Beschichtungsstoff hat seine Berechtigung und mehr oder weniger Vor- und Nachteile. Aus diesem Grund sollte die Farbe immer passend zum Untergrund gewählt werden. Darüber hinaus muss natürlich die Optik stimmen.

Fassadenfarbe oder Anstrichsystem?
Da ein Anstrich je nach Art und Qualität des Untergrundes in der Regel aus Grundierung, Vor- und Schlussanstrich besteht, hat sich in der Fachwelt der Begriff "Anstrichsysteme" durchgesetzt. Darüber hinaus sind Bezeichnungen wie Beschichtungsstoffe oder Fassadenfarben gebräuchlich. Anstriche werden nach verschiedenen Kriterien unterschieden wie nach dem Hauptbindemittel (z. B. Dispersionsfarben, Silikatfarben), nach dem Untergrund (z. B. Betonfarbe, Holzlasur), nach der technologischen Reihenfolge des Beschichtungsaufbaus (z. B. Grund-, Vor-, Zwischen- und Schlussanstrich), nach dem Verwendungsort (z. B. Fassadenfarbe) sowie nach den technischen Eigenschaften (z. B. Wasseraufnahme und Rissüberbrückungsfähigkeit).

Eigenschaften der verschiedenen Fassadenfarben

Silikatfarben
Silikatfarben weisen eine hohe Wasserdampfdiffusionsfähigkeit auf und besitzen eine hohe Affinität zu mineralischen Untergründen. Typisch sind die matte, mineralische Optik und die eingeschränkte Farbtonvielfalt (Alkalibeständigkeit der Pigmente). Außerdem können bei Silikatfarben Ausblühungen während der Abbindung entstehen.

Kunststoff-Dispersionsfarben

Kunststoff-Dispersionsfarben können in nahezu allen Farbtönen hergestellt werden. Sie haben eine hohe Farbtonstabilität, eine sehr hohe Wasserabweisung und sind sehr elastisch. Der chemische Aufbau spielt bei Dispersionsfarben eine wichtige Rolle, vor allem hinsichtlich der späteren Filmeigenschaften. Reinacrylate sind in der Licht- und Wetterbeständigkeit unübertroffen, allerdings relativ teuer und in der Wasserfestigkeit schlechter als Styrolacrylate. Polyvinylacetatdispersionen sind gut wetterbeständig, allerdings wenig lichtbeständig und (je nach Zusammensetzung) mehr oder weniger verseifbar. Das kann auf alkalischen Untergründen ein wesentlicher Nachteil werden. Styrol-Acrylat-Dispersionen weisen aufgrund des Styrolanteils eine sehr gute Wasserfestigkeit, jedoch eine verminderte Lichtbeständigkeit auf. Modifizierte Kunststoff-Dispersionsfarben - so genannte Lastic-Systeme - werden für die anstrichtechnische Risssanierung eingesetzt. Elastische Anstrich- und Beschichtungsstoffe können nur mit einem hohen Bindemittelanteil erzielt werden. Dieser führt neben einer höheren Verschmutzungsneigung allerdings im Gegenzug auch zu einer geringen Wasserdampfdiffusionsfähigkeit. In Folge dessen können diese elastischen Anstrich- und Beschichtungsstoffe wiederum nicht auf feuchten Untergründen eingesetzt werden oder wenn mit einer Hinterfeuchtung (z. B. im Bereich der Anschlüsse) gerechnet werden muss.

Siliconharzfarben

Müssen gerissene Untergründe beschichtet werden, können nur silikat- oder siliconharzgebundene Anstrich- und Beschichtungsstoffe eingesetzt werden. Diese sind allerdings aufgrund ihrer Bindemittel-Matrix nicht elastisch und können keine Verformungen überbrücken. Ihre Aufgabe besteht deshalb darin, die Risse zuzuschlämmen.

Siliconharzfarben sind derzeit die optimalen Anstrich- und Beschichtungsstoffe. Sie zeigen eine hohe Wasserdampfdiffusion sowie eine hohe CO2-Durchlässigkeit, so dass Siliconharzfarben auch für carbonatisch gebundene Mörtel geeignet sind. Das spannungsarme bis -freie Auftrocknen der Siliconharzfarben ist eine weitere Eigenschaft, die sie als geeignet für nahezu alle Untergründe erscheinen lässt.

Siliconharzfarben mit besonderer Verwitterungs- und Verschmutzungsresistenz
Im Gegensatz zu Kunststoff-Dispersionsfarben liegt bei Siliconharzfarben nach der Trocknung kein geschlossener Film vor. Der Anteil der eingesetzten Polymerdispersion bei Siliconharzfarben stellt nur sicher, dass sich die Füllstoff- und Pigmentpartikel mit- und untereinander verbinden ("verkleben?). Dadurch entsteht ein offenporiges Gefüge (und kein geschlossener Film), das für die hohe Wasserdampf- und CO2-Durchlässigkeit verantwortlich ist. Dieser hochporöse Anstrichfilm hätte ohne die Siliconharzkomponente keinen funktionierenden Feuchtigkeitsschutz. Das Siliconharz überzieht die einzelnen festen Partikel mit einer sehr dünnen, geschlossenen Schicht mit einer hohen Hydrophobie. Dadurch haben Siliconharzfarben trotz ihrer hohen Wasserdampfdiffusion eine hohe Wasserabweisung. In dieser starken Hydrophobie der Oberfläche bei gleichzeitig hoher Wasserdampfdiffusion aufgrund der Porosität des Siliconharzgerüstes liegt das eigentliche Erfolgsrezept der Siliconharzfarben. Die hohe Härte des Netzwerkes und dessen fehlende Hygro- und Thermoplastizität bestimmen die besondere Verwitterungs- und Verschmutzungsresistenz der Siliconharzfarben.

 
 
 
 
Quelle: Frank Frössel / www.Energie-Fachberater.de
 
 
 
 

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