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Was ist eigentlich der Hellbezugswert?

Farben für die Fassade richtig auswählen

Optik
 
Im Zusammenhang mit intensiven Farbtönen an der Fassade oder auch bei Rissen und Fassadenschäden wird häufig der Hellbezugswert erwähnt. Experte Frank Frössel erklärt, was der Hellbezugswert ist und welchen Einfluss er auf die Auswahl der Farbe hat.
Altbauten hinter einer Stadtmauer: Farbige Fassaden als HinguckerBild größer anzeigen
Intensive Farben machen die Fassade von Altbauten zum Hingucker. Der Hellbezugswert hilft, die richtige Farbe auszuwählenFoto: www.Energie-Fachberater.de

Der Hellbezugswert ist ein Maß für die Helligkeit von Oberflächen. Ein Wert von 100 entspricht der Helligkeit einer absolut weißen Oberfläche. Dem entsprechend steht die Null für eine absolut schwarze Oberfläche. Der Hellbezugswert beschreibt den Anteil des auf eine Oberfläche auftreffenden sichtbaren Lichts, der von dieser Oberfläche zurückgeworfen (reflektiert) wird. Diesen Reflexionsgrad einer bestimmten Farbe setzt man in das Verhältnis zwischen dem Schwarzpunkt (Null) und Weißpunkt (100). Kleinere Werte stehen also für dunklere Farbtöne, hellere Farbtöne erkennt man an den größeren Werten. Entgegen allgemeiner Annahme sind für den Hellbezugswert der Glanzgrad und/oder das verwendete Bindemittel nicht relevant. Er wird ausschließlich durch Art und Höhe der farbigen Pigmentierung beeinfluss, aber auch durch Verschmutzung.

Bei WDVS besser helle Farben einsetzen
Dunklere Farbtöne an der Fassade unterliegen aufgrund der hygrothermischen Einflüsse einer größeren Temperaturspannung als weiße oder helle Oberflächen. Dies spielt insbesondere bei Wärmedämm-Verbundsystemen (WDVS) eine Rolle, da die Oberflächen aufgrund der Dämmschicht stärkeren Temperaturschwankungen unterliegen. Deshalb wird für WDVS empfohlen, für die Schlussbeschichtungen nur Farben mit einem Hellbezugswert größer als 20 zu verwenden. Dadurch soll das Auftreten von Spannungsrissen vermieden werden. Abweichen kann man von dieser Empfehlung zum Beispiel an Nordfassaden, auf kleinen oder beschatteten Flächen.

Temperaturdifferenz an der Fassade fällt je nach Farbe anders aus
Die tages- und jahreszeitlich bedingten Temperaturschwankungen an der Fassade können bis zu 25 °C betragen. Je nach Farbe können diese Schwankungen in Abhängigkeit vom Hellbezugswert der Beschichtung aber auch deutlich höher ausfallen. So erreicht selbst eine weiße Putzoberfläche (Hellbezugswert 90) Temperaturen von bis zu 40 °C. Eine pastellfarbene Putzoberfläche (Hellbezugswert 60 bis 70) kommt immerhin schon auf 50 °C und etwas dunklere Farbtöne (Hellbezugswert 20) erreichen eine Oberflächentemperatur von bis zu 70 °C. Das muss beim Auswählen der Farbe und bei der Ausführung von farbigen Beschichtungen berücksichtigt werden. Denn die Temperaturschwankungen erzeugen Zugspannungen, die von den meisten Putzen nicht "abgepuffert" werden. Die Folgen sind Risse und Abplatzungen. Hohe Oberflächentemperaturen an der Fassade treten übrigens nicht nur an heißen Sommertagen auf. Je nach Hellbezugswert können auch im Februar oder März etwa gleich hohe Temperaturen auf der Fassadenoberfläche gemessen werden. Das liegt am Sonnenstand und an der Intensität der Einstrahlung (Einfallswinkel).

Verschmutzung der Fassade verändert den Hellbezugswert

Nicht nur die Farbe bestimmt den Hellbezugswert. Er kann auch durch Verschmutzung wie Staub oder mikrobiellen Befall durch Algen und Pilze um bis zu 5 Punkte beeinflusst werden. Dies muss berücksichtigt werden, wenn Fassadenbeschichtungen mit einem "grenzwertigen" Hellbezugswert mit zunehmendem Alter in kritische Bereiche "abrutschen". Denn auch das kann Ursache für Spannungen und Risse sein.

 
 
 
 
Quelle: Frank Frössel / www.Energie-Fachberater.de
 
 
 
 

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