10 Jahre Ratgeber Sanierung
Expertenwissen

So vermeiden Sie Schimmel in Haus und Wohnung

Vorbeugen mit Dämmung, speziellen Beschichtungen, Heizen, Lüften

Schimmel
 
Die beste Schimmelpilzsanierung ist die Vorbeugung. Mikrobiologen bezeichnen das als primäre Prävention, sie zielt auf Vermeidung der Schimmel-Ursachen. Und auch nachdem eine Schimmelsanierung durchgeführt wurde, müssen Hausbesitzer dem Neubefall vorbeugen. Das wird als sekundäre Prävention bezeichnet. Schimmelbefall muss rechtzeitig erkannt werden, bevor er sich entwickelt und verbreitet. Schimmelexperte Frank Frössel mit den Details.
Eingerüstetes Einfamilienhaus: Sanierung von Dach und FassadeBild größer anzeigen
Die Dämmung des Hauses gehört zu den primären Präventionsmaßnahmen gegen SchimmelbefallFoto: KfW-Bildarchiv / Fotograf: Thomas Klewar
Lüftungsanlage in saniertem WohnhausBild größer anzeigen
Lüftungsanlage in einem energieeffizient sanierten Wohnhaus. Auch das richtige Lüften und Heizen schützt vor Schimmel im HausFoto: KfW-Bildarchiv / Fotograf: Frank Homann

Die primären und sekundären Präventivmaßnahmen unterscheiden sich. Während die primäre Prävention auf bauliche Maßnahmen, wie die nachträgliche Dämmung eines Bauteils oder die Auswahl einer geeigneten Beschichtungsoberfläche, und die Sicherstellung eines gesunden Raumklimas durch ausreichendes Heizen und Lüften setzt, befasst sich die sekundäre Prävention vorwiegend mit Hygiene und Nutzerverhalten. Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass in beiden Fällen das Wachstum von Schimmelpilzen unterbunden werden soll. Als sekundäre Prävention werden in der Regel Desinfektionsmittel (Biozide) eingesetzt, die aufgrund ihrer Zusammensetzung nicht ganz ungefährlich sind. Alternativ können spezielle Beschichtungen appliziert werden, die antimikrobiell wirken. Diese Wirkung kann temporär durch biozide Zusätze oder durch nanoskalierte Silberionen erreicht werden. Bei Neuentwicklungen wird die Photokatalyse genutzt, um eine antimikrobielle Wirkung aufzubauen.

Primäre Prävention von Schimmel im Haus: Fachgerechte Dämmung beugt Schimmel vor
Zur primären Prävention gehört die nachträgliche Dämmung, um die Wärmeverluste an Wärmebrücken zu minimieren und um der Kondensation in der Konstruktion vorzubeugen. Wärmebrücken lassen sich durch konstruktive Maßnahmen zwar nicht immer vermeiden, aber in der Wirkung stark abmindern. Im Idealfall erfolgt die Dämmung als Außendämmung. Hierbei müssen Hausbesitzer auf ein ganzheitliches Konzept setzen, denn Probleme bei der nachträglichen Dämmung von einzelnen Bauteilen gibt es in der Regel nur, wenn einzelne Aspekte (Fenstersanierung, Lüftungskonzepte) vernachlässigt werden.

Fungizide Beschichtungen gegen Schimmel
Neben der Dämmung gehören fungizide Beschichtungen zur primären Prävention. Hierbei muss zunächst herausgestellt werden, dass der Begriff "fungizid" nicht zwangsläufig mit "Chemie", "Gift" oder Desinfektionsmittel gleichgesetzt werden darf. Fungizid bedeutet, dass das Wachstum der Schimmelpilze verhindert oder vorgebeugt wird. Dies kann durch desinfizierende Zusätze (so genannte Breitbandbiozide) erreicht werden, die an der Oberfläche einen fungiziden Film bilden. Aber auch eine hohe Alkalität oder Silberionen sind wirksam gegen Schimmel. Hinzu kommen so genannte Infrarot-aktive Farben (IR) sowie der Einsatz von Zuschlagsstoffen mit dem Latentwärmespeicher-Effekt (PCM - Phase Changing Materials). Bei den IR-Farben wird die Wärmeabstrahlung (langwellige Strahlung) herabgesetzt. Dies erfolgt durch spezielle Pigmente im oberflächennahen Bereich und soll ein Absinken der Oberflächentemperatur unter den Taupunkt verhindern. Bei den Beschichtungen mit Latentwärmespeicher ist die Zielsetzung gleich, allerdings unterscheidet sich die Technologie. Eingesetzt werden funktionelle Füllstoffe, mit denen tagsüber Wärme gespeichert und nachts verzögert wieder abgegeben werden soll. Hierbei handelt es sich um kunststoffumhüllte Wachskügelchen mit einem individuell einstellbaren Schmelz- und Erstarrungspunkt. Dieser liegt je nach Füllstoff zwischen 0 und 30°C. Aufgrund der Wärmeaufnahme schmelzen die Wachskügelchen tagsüber und halten die Temperatur konstant. In den Nachtstunden erstarren sie und geben hierbei die Wärme an der Oberfläche wieder ab. Besonders vorteilhaft sind Putzbeschichtungen mit PCM, da aufgrund der Schichtdicken eine höhere Menge an Füllstoffen zugegeben werden kann. Die Effizienz kann noch gesteigert werden, wenn beide Maßnahmen (PCM und IR) kombiniert werden.

Richtig Heizen und Lüften verhindert Schimmel

Um die Anforderungen an die Lüftung zu erfüllen, ist ein Mindestmaß an Austausch der Raumluft durch Außenluft (Luftwechsel) erforderlich. Andererseits ist in der Heizperiode die Lüftung, also der Austausch warmer Raumluft gegen kältere Außenluft, mit Wärmeverlusten verbunden, die angesichts der ständigen Verringerung der Transmissionswärmeverluste durch einen besseren baulichen Wärmeschutz an Bedeutung gewinnen, so dass, auch aus hygienischen Gründen (Vermeidung von Zugerscheinungen), der Luftwechsel zu begrenzen ist. Bei den heute üblichen und technisch realisierbaren Systemen für die Wohnungslüftung wird nach Wirkprinzip zwischen freier Lüftung (früher als natürliche Lüftung bezeichnet) und ventilatorgestützter Lüftung (mechanische, Anlagenlüftung) unterschieden. Die früher ebenfalls als Lüftungssystem betrachtete Fensterlüftung stellt nach neuerer Definition nach DIN 1946-6 kein eigenständiges Wirkprinzip mehr dar, sondern das zeitweise geöffnete Fenster dient nur als temporär wirksamer Außenluftdurchlass (ALD) zur Verbesserung der Wirksamkeit des vorhandenen Lüftungssystems, vorrangig der freien Lüftung. Das Gleiche trifft auf auch die Fugenlüftung zu, die als Anteil der In- und Exfiltration zu betrachten ist. Für Funktion, Auslegung und Betrieb von Einrichtungen und Anlagen zur freien und ventilatorgestützten Lüftung sind zur Quantifizierung des Luftwechsels folgende vier Betriebsstufen festgelegt: Lüftung zum Feuchteschutz, reduzierte Lüftung, Nennlüftung und Intensivlüftung.

 
 
 
Quelle: Frank Frössel / Energie-Fachberater.de
 
 
 
 

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