Anhand von Praxisbeispielen wird der Wohnraumgewinn durch eine Dachaufstockung mit Solidwood deutlich
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Altbau wird zum Passivhaus

Beispielhafte Sanierung eines Reihenmittelhauses

Lässt sich ein altes, sanierungsbedürftiges Reihenmittelhaus in einen für heutige Ansprüche angenehmen Wohnraum verwandeln und mit energetisch optimierter Technik in Einklang zu bringen? Ja, fand Architektin Beate Wolf, die ihr Reihenmittelhaus im Münchener Stadtteil Fürstenried aus den 60er Jahren zu einem Passivhaus umbaute.
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Südfassade saniert
Die Südseite des Hauses zeigt sich nach der Sanierung als großflächige Glasfassade mit einer dezenten Holzrahmenkonstruktion
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vor der Sanierung
Die Südseite des Reihenmittelhauses vor der Sanierung
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Windfang udn Eingangsbereich
Auf der gegenüberliegenden Seite wurde der Eingangsbereich des Hauses mit einem außen liegenden Windfang ergänzt
Fotos: www.architektin-wolf.de
Was die Architektin vorfand, war eine gute Basis. Deshalb entschied sich die Familie gegen einen Neubau und für eine Sanierung. Das Gebäude wurde 1961 in Ziegelbauweise erstellt, in einer schlichten und gradlinigen Architektur. Große Fenster zur Gartenseite und versetzt gebaute Häuser sorgen für Privatsphäre und machen den Charme der Reihenhaussiedlung aus. Von dem fast 50 Jahre alten Haus blieb nicht viel übrig: Nahezu alle nichttragenden Innenwände, die gesamte Haustechnik, das Bad, der komplette Dachstuhl und alle Fußböden wurden entfernt. Auch die Fenster wurden neu geplant, damit mehr Licht ins Haus fallen kann: Aus drei kleinen wurde ein großes Fenster für die Küche, die viel zu schmale alte Haustür wurde verbreitert und mit dem danebenliegenden Fenster zu einer neuen Einheit verbunden. Die Passivhausfenster bestehen aus Vollholzrahmen mit Luftkammern und sind in die Dämmebene eingebaut.

Mit dem Umbau entstand ein großzügiger Grundriss, der flexibel genutzt werden kann. Um die Wohnfläche zu vergrößern und zudem Wärmebrücken zu minimieren, wurde vor dem ehemaligen Balkon eine komplett neue Fassade über zwei Geschosse errichtet. Die Bodenplatte wurde im Erdgeschoss ergänzt und mit 24 Zentimetern Perimeterdämmung versehen. Die Südseite des Hauses zeigt sich nach der Sanierung als großflächige Glasfassade mit einer dezenten Holzrahmenkonstruktion. Für den sommerlichen Wärmeschutz ist die glasreiche Südfassade mit Außenjalousien bestückt. Mit dieser Konstruktion lässt sich die Balkonfläche nun über zwei Geschosse als Wohnraum nutzen.

Wohlfühlklima im Inneren
Die Südseite wurde komplett neu als Glasfassade errichtet. Die Nordseite erhielt eine 30 Zentimeter dicke Dämmung, die Ost- und Westseite wegen der Grenzbebauung jeweils 18 Zentimeter Dämmung der Wärmeleitgruppe 032. Die angrenzenden Wände der Nachbarn wurden mit zwölf Zentimetern gedämmt. Damit wurden kalte Ecken und Übergänge vermieden. Die Kellerdecke erhielt ober- und unterseitig eine Dämmung, ebenso die innenliegende Treppe in den Keller und deren Seitenwände. Als Abschluss zum kalten Keller dient jetzt eine dicke Holztür. Das komplett neue Dachgeschoss ziert eine neue Gaube, die über zwei Drittel der Hausbreite reicht und auf die Dachterrasse führt. Hier wurde der nicht nutzbare flache Dachbereich (20 Grad Dachneigung) optimal ergänzt und somit wertvoller Raum geschaffen. Die großen Glasflächen der Gaube fangen die Energie der Sonne gut ein. Das Dach wurde mit thermisch getrennten Sparren errichtet und erreicht einen U-Wert von 0,09 W/(m2k). Der Ausbau des Dachgeschosses mit Dachterrasse war nicht nur eine Wohnraumvergrößerung, sondern in erster Linie ein großer Komfortgewinn. Für eine gute Luftdichtheit musste besonders viel Augenmerk auf die einzelnen Anschlüsse gelegt werden. Die Materialwahl im Inneren des Gebäudes schafft ein Wohlfühlklima: Geölte Vollholzböden kamen zum Einsatz, sogar in den Bädern, wo sie für angenehme Fußwärme sorgen. An den Wänden wurde bewusst ökologische Kaseinfarbe und im Nassbereich Kalkfarbe eingesetzt.

Zeitgemäße Technik
Technisch gesehen wurde das Gebäude nahezu zum Neubau. Zum normalen Standard der elektrischen Leitungen gesellt sich nun eine Netzwerkverkabelung in jedem Raum mit einer Zentrale im Keller. Damit kann in jedem Raum an PC und Telefon gearbeitet werden. Ausgestattet mit Temperaturregelung, Windwächter und Zeitsteuerung fahren die Jalousien je nach Wettersituation und Tageszeit rauf oder runter. Kurze Leitungswege waren bei den Sanitärleitungen oberste Prämisse, die Bäder liegen nun direkt übereinander. Für Lüftung, Heizung und Warmwasserbereitung hat sich die Architektin für ein Kompaktgerät entschieden, das alle Funktionen bereit stellt. Das Kompaktgerät wurde speziell für das Reihenhaus konzipiert und besteht aus Lüftungsmodul mit Wärmerückgewinnung, einer Kleinst-Wärmepumpe für Luft- und Brauchwassererwärmung und einem Brauchwasserspeicher mit 200 Litern Fassungsvermögen. Die Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach des Hauses umfasst insgesamt 20 Module in der Größe 60 x 120 Zentimeter und erreicht eine Leistung von 1,5 kWp. Ziel war es, aus Kosten- und Wartungsgründen möglichst einfache und wenig Technik im Haus einzubauen. Der neue Heizwärmebedarf des Reihenhauses liegt mit 14 kWh/(m2a) in einem sehr guten Bereich, so dass sich Familien Wolf nach zwei Jahren Umbauzeit sicher ist, dass sich die Mühe gelohnt hat. Angenehmer Wohnraum, der modernen Ansprüchen genügt, und eine energetisch optimierte Technik machen das alte Reihenmittelhaus heute zu einem Schmuckstück.


Quelle: www.architektin-wolf.de
 
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