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Expertenrat

Nach Dachausbau und Dachdämmung hatten wir eine feuchte Dämmung am Kamin. Ist dort eine Wärmebrücke?

Frage von Corinna M. am 21.04.2016 

Wir haben unseren Dachboden ausbauen lassen und in diesem Zusammengang das Dach neu gedämmt. Jetzt (etwa 6 Wochen nach Fertigstellung) weist der Kamin mehrere feuchte Stellen (v.a. an den Übergängen zur Decke) z.T. mit Schimmelbefall auf. Das Dach haben wir auf undichte Stellen überprüfen lassen. Der Dachdecker konnte nichts finden, allerdings war die Dämmung im Bereich um den Kamin nass und wurde ausgetauscht. Auch die Dampfsperre scheint im betroffenen Bereich in Ordnung zu sein. Die ausgetauschte Dämmung ist jetzt (4 Wochen nach Austausch) trocken. Kann es sein, dass der Kamin eine Wärmebrücke darstellt? Wenn ja, was ist zu tun? Der Dachboden wird nicht direkt geheizt, aber ist durch eine große Deckenöffnung mit der geheizten unteren Etage verbunden. Die Raumtemperatur (direkt am Kamin gemessen) liegt zwischen 16,5 (Min. nachts) und 24,5 Grad (Max. tagsüber), die Raumfeuchte zwischen 35 (Min. tagsüber) und 69% (Max. nachts); die durchschnittliche Temperatur beträgt 18,8 Grad, die durchschnittliche Raumfeuchte 54%. Etwas weiter im Raum haben wir folgende Werte: Temperatur: Min. 16,8 Grad, Max. 26,8 Grad, Durchschnitt 19,8 Grad; Raumfeuchte: Min. 26%, Max. 58%, Durchschnitt 44,5%. Die Messung lief über 12 Tage.
Wie ist Ihre Einschätzung? 

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Der von Ihnen geschilderte Sachverhalt deutet auf eine Luftundichtheit zwischen Kaminwandung und der Wärmedämmung hin. Innerhalb eines Gebäudes (bzw. eines hohen Raumes) baut sich im oberen Teil (unter dem Dach) eine Überdrucksituation auf. Warme und verhältnismäßig feuchte Raumluft drängt nach außen, weil sie leichter ist als die umgebende Kaltluft (Winter-, Übergangssitutionen). Findet die wärmere Luft eine Leckage (z.B. zwischen Schornstein und Dämmschicht) drängt sie nach außen, kühlt aber auf dem Weg nach außen ab. Unterschreitet die Temperatur die Sättigungsgrenze, fällt Tauwasser aus, z.B. auf dem kälteren Teil der Schornsteinwandung. Ja, der Schornstein ist, sowohl wenn geheizt wird, als auch wenn nicht geheizt wird, eine Wärmebrücke im Winter. In einem Abschnitt, der der Dämmstoffstärke im Dach entspricht kühlt sich daran die über die Leckage abströmende Raumluft unter Umständen, um mehr als 20 Grad ab. Dabei entstehendes Tauwasser tropft nach unten, durchfeuchtet den Putz des Schornsteines und umgebende Wärmedämmstoffe. Nun, der Vorgang hat sich auch schon vor dem Dachausbau abgespielt. Hier waren aber die betreffenden Abschnitt immer gut mit Außenluft umspült, was zu einer raschen Trocknung führte. Ich rate Ihnen die Dampfbremse mit speziellem, für den Baustoff, geeignetem Klebeband, gegen die Schornsteinwandung sorgfältig abzukleben. Lassen Sie einen Luftdichtheitstest mit Leckageortung von einem Ingenieurbüro machen. Schäden durch mangelhafte Luftdichtheit können schwerwiegende Ausmaße annehmen.

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Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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