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Expertenrat

Wie können die Details bei der Dachbodendämmung unseres Zweifamilienhauses richtig ausgeführt werden?

Unser Experte Andreas Skrypietz von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) antwortet

Frage von Stefan W. am 23.11.2016 

Bei unserem rund 100 Jahre alten 2-Familienhaus steht die Neueindeckung des Dachs an und in diesem Zusammenhang soll auch die oberste Geschossdecke gedämmt werden (der Dachboden ist unbeheizt, wird nicht als Wohnraum genutzt und nur gelegentlich begangen). Bzgl. der Dämmung der Geschossdecke stellen sich nun folgende Fragen, die leider von den bisher angefragten Fachbetrieben sehr unterschiedlich beantwortet wurden:
1) Die oberste Geschossdecke ist eine rund 20 cm starke Holzbalkenkonstruktion, die in den Zwischenräumen mit Lehm/Schlacke gefüllt ist. Ist bei diesem Aufbau eine Dampfsperre/Dampfbremse überhaupt sinnvoll oder gfs. sogar schädlich ?
2) Welche Dachfenster sind erforderlich nachdem die oberste Geschossdecke gedämmt wurde ? Ein Betrieb hat Thermofenster angeboten, was in einem kalten und nach unten gedämmten Dachboden nicht sinnvoll erscheint.
3) Der Aufgang zum Dachboden liegtnicht in den beheizten Räumen sondern im unbeheizten Treppenhaus. Ist in diesem Fall der Einbau einer neuen, gedämmten Luke/Treppe erforderlich. 

Antwort von Andreas Skrypietz von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU)  

1) Die oberste Geschossdecke ist eine rund 20 cm starke Holzbalkenkonstruktion, die in den Zwischenräumen mit Lehm/Schlacke gefüllt ist. Ist bei diesem Aufbau eine Dampfsperre/Dampfbremse überhaupt sinnvoll oder gfs. sogar schädlich?

Auch bei dieser Konstruktion stellt sich die Frage, wie viel Feuchtigkeit kann in die Konstruktion und die Dämmung eindringen? In der Regel gehen die üblichen Berechnungsverfahren davon aus, dass sich am Übergang zur Dämmung, das heißt im nichtbeheizten und somit kalten Bereich, mehr Feuchtigkeit in der Heizperiode ansammelt als im Sommer austrocknet. Das Resultat ist, das eine Dampfbremse eingebaut wird. Dies ist weder verkehrt noch schädlich. Alternativ könnte man eine so genannte feuchtetechnische Simulation durchführen. Hierbei wird mit Hilfe eines Softwareprogramms die Feuchteentwicklung im Bauteil über ein oder mehrere Jahre mit Hilfe der lokalen Wetterdaten nachempfunden. Bei Dämmstoffen wie Holzweichfaserplatten oder Zellulose kann je nach örtlichen Wetterbedingen herauskommen, dass man keine Dampfbremse benötigt. Dies Verfahren ist aber relativ aufwendig und kostspielig und daher für eine einzelne Maßnahme wie die Dämmung der obersten Geschossdecke nicht wirklich zu empfehlen.

2) Welche Dachfenster sind erforderlich, nachdem die oberste Geschossdecke gedämmt wurde? Ein Betrieb hat Thermofenster angeboten, was in einem kalten und nach unten gedämmten Dachboden nicht sinnvoll erscheint.


Hier können Sie ruhig einfache Fenster wie in jedem anderen nicht beheizten Raum einbauen. Es stellt sich allerdings die Frage, ob am Markt noch einfache Fenster ohne Wärmeschutzverglasung erhältlich sind. Empfehlung: Nehmen Sie ein kostengünstiges Modell das zu Ihrem Haus passt.

3) Der Aufgang zum Dachboden liegt nicht in den beheizten Räumen, sondern im unbeheizten Treppenhaus. Ist in diesem Fall der Einbau einer neuen, gedämmten Luke/Treppe erforderlich?


Diese Frage hat es in sich. Auf den ersten Blick könnte man ja sagen: Klar ungeheiztes Treppenhaus, was soll da eine gedämmte Treppe? Aber wie immer steckt der Teufel im Detail. Wie weit sind die Wände der angrenzenden beheizten Räume von der Luke entfernt? Ist der Abstand unter einem halben Meter sollte auf jeden Fall eine gedämmte Treppe eingebaut werden. Denn die Wärme geht dann über die Mauern der beheizten Räume in Richtung der nichtgedämmten Luke, eine typische Wärmebrücke würde durch die nichtgedämmte Luke entstehen. Eine Möglichkeit besteht darin, dass ein Fachmann sich die Situation vor Ort anschaut und anschließend diese mögliche Wärmebrücke berechnet. Mit Hilfe der Berechnung kann dann die Frage beantwortet werden, ob diese Wärmebrücke so groß ist, dass die Temperaturen in diesem Übergangsbereich unter die kritische Grenze von 12,6°C fällt. Dies ist die Temperaturgrenze unter der bei normalen Raumtemperaturbedingungen – 20°C und 50% relative Feuchte – Schimmelpilze anfangen zu wachsen. Eine andere, wahrscheinlich kostengünstigere, Möglichkeit ist, Sie bauen eine gedämmte Dachbodenluke ein! Dann sind Sie auf der sicheren Seite.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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