Expertenrat

Wie kann ich die Heizkörpernische an einer Holzaußenwand richtig dämmen?

Unser Experte Dipl.-Ing. Frank Nowotka antwortet

Frage von Alexander F. am 08.03.2020 

Ich habe mir eine Doppelhaushälfte von 1963 gekauft. Dieses Haus ist in sogenannter Hollandbauweise errichtet, d. h. von vorn betrachtet sind die Wände links, mittig und rechts, sowie die Geschossdecken tragend in armiertem Kiesbeton ausgeführt. Die Fassade nach vorn und hinten ist ein Holzständerwerk. Der Wandaufbau von Außen nach innen besteht aus 1 cm dicken "Nut-und Federbrettern" auf einer Trageplatte aus Holz bzw. Pressholz/OSB-Platte, je nachdem wo man unter die Bretter schaut (hier scheint in den letzten 50 Jahren mehrmals geflickt worden zu sein). Diese Trageplatten sind ca 1 cm dick und direkt auf das Holzständerwerk geschraubt.

Die Zwischenräume des Holzständerwerkes sind, je nachdem wo man schaut, mit Styropor oder Steinwolle oder beidem hintereinander gefüllt. Die Trägerbalken sind ca. 5 cm dick. Danach kommt eine Holzplatte aus OSB oder Sperrholz, die entweder nochmals von innen mit Styropor verkleidet ist oder mit Fliesen beklebt ist. Danach kommen in wenigen Zentimetern Entfernung die Heizkörper. Über den Heizungen ist ein nicht tragender Betonbalken eingesetzt, der von Wand zu Wand reicht, um die darüber liegenden Fenster und Fensterbänke zu tragen. In der Nische, die von Wand zu Wand in jedem Zimmer reicht, steht der Heizkörper. Die Nische(n) sind ca. 10 -12 cm tief. Ich war mir der energetischen Katastrophe voll bewusst und eine Außendämmung der Fassade war bereits in Planung, nur wird diese jetzt noch ein paar Jahre auf sich warten lassen müssen, da andere "Baustellen" im Haus aufgetaucht sind, die Priorität besitzen und mit denen ich nicht gerechnet hatte.

Meine Frage ist:
Wenn ich die Kosten für einen Heizkörperwechsel tragen kann, wie kann ich die Nische möglichst einfach, möglichst dauerhaft schimmelfrei und energietechnisch sinnvoll schließen? Ich habe mich bereits hier im Forum und an anderer Stelle schlaugemacht und die einhellige Meinung beim Schließen einer Heizkörpernische ist, die Nische zuzumauern. Leider finde ich in dem Zusammenhang nichts zum Thema Holz-Außenwand. Können Sie mir hier helfen?

Mein Installateur rät mir, um die Kosten niedrig zu halten, zu Trockenbau: Nische mit Steinwolle o. Ä. füllen, eine OSB-Platte anbringen (um den neuen Heizkörper zu tragen) und davor eine imprägnierte Rigipsplatte. Dies würde mir entgegenkommen, da die Kosten und der Zeitaufwand sehr überschaubar bleiben, bis ich mir in 1-2 (oder 5) Jahren die Vollsanierung der Fassade leisten kann. Ist das sinnvoll, die Heizkörpernische so auszufüllen, oder hole ich mir damit ein Schimmeldepot ins Haus?

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Ihre Angst vor einem Schimmelbefall ist bei richtiger Ausführung unbegründet. Der Installateur hat Ihnen einen im Prinzip richtigen Aufbau empfohlen. Eine Ausmauerung würde ich nicht wählen. Einige Anmerkungen seien noch hinzuzufügen.

  • Wenn Sie die Möglichkeit haben, könnten Sie die Wärmeverluste, die momentan entstehen, mittels einer Thermografiekamera sichtbar machen. Das sollten Sie an einem kalten Morgen noch in der Dunkelheit von einem Fachmann durchführen lassen.
  • Die Mineralwolle (ein anderer möglicher Dämmstoff wäre die Holzweichfasermatte) eignet sich gut, um den Raum in der Nische, nach dem Sie einer Unterkonstruktion für die Montage der OSB-Platten errichtet haben, vollständig auszufüllen. Es sollte also kein Luftraum zwischen der jetzigen Wand und der OSB-Platte verbleiben.
  • Folien, gleich welcher Art, sind in der fertigen Konstruktion nicht erforderlich.
  • Die OSB-Platten sind so zu verlegen, dass die Anschlüsse nach oben und unten, links und rechts, möglichst luftundurchlässig ausgeführt werden. Stellen Sie die OSB-Platte unten gegen den Fußboden auf ein Quellband. Alle Fugen sollten mit einem breiten, speziell dafür vorgesehenen Klebeband zur Herstellung maximaler Luftdichtheit überklebt werden. So vermeidet man, dass warme Raumluft in den Raum hinter der OSB-Platte eindringen kann und in der Folge Kondensat entstehen könnte. Die Gipskartonplatte als vorderer Abschluss muss kein imprägnierte Platte sein.
  • Diese Lösung kann beibehalten werden, auch wenn Sie später eine zusätzliche, außen liegende Wärmedämmung anbringen.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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