Logo Energie-Fachberater.de
Expertenrat

Ich habe ein Holzhaus mit Schimmel. Wie gehe ich bei der Sanierung und Dämmung am besten vor? Von Gutachtern und Firmen habe ich unterschiedliche Antworten bekommen.

Unser Experte Dipl.-Ing. Frank Nowotka antwortet

Frage von Angela K. am 15.09.2020 

Ich habe ein kleines Holzhaus (Holzständerwerk) von 1978. (Ehemaliges Ferienhausgebiet). Ich habe es 2014 erworben, renoviert und nach dem Einzug kamen im Winter die ersten Schimmelprobleme. Leider wurde mir verheimlicht, dass es schon vorher Schimmelprobleme gab. Der Vorbesitzer hat einfach nur die Tapeten entfernt und alles leer stehen lassen. Er hätte aber die Wände mit entsprechenden Schimmelmitteln behandeln müssen. (Es folgten Gerichtsverhandlungen, Gutachter und leider verlor ich in der 2. Instanz).

Gutachter 1 schlug vor, die komplette Außenfassade abzunehmen, neu und dicker zu dämmen und die Außenbretter wieder drauf. Gutachter 2 schlug vor, von Innen zu dämmen, also an den Wänden bestimmte Platten anzukleben.

Nun hatte ich auch schon mit diversen Firmen gesprochen. Von sofortiger Ablehnung (weil keiner Gewährleistung gegeben werden kann) bis zum mündlichen Angebot, ohne mir jedoch was Schriftliches zu geben, war alles dabei.

Da ich handwerklich nicht komplett unbegabt bin, schwebt mir vor, es nun selbst in die Hand zu nehmen. (Habe vor kurzem auch das ganze Haus außen gestrichen). Ich habe mir dazu heute 2 Stellen vorgenommen und geöffnet, um zu schauen, wie die Wand aufgebaut ist. Die Wände sind wie folgt aufgebaut:

Von außen nach innen:
1. Außenbretter
2. Traglattung
3. Holzrahmen
4. Steinwolle ca. 5 cm zwischen die Rahmen
5. Bretter mit Nut
6. Rigips- oder Spanplatten

Zwischen Rahmen und Außenbrettern ist eine Luftschicht aufgrund des Rahmens. Wie ich gelesen haben, nennt sich das Traglattung. Ein Teil der Steinwolle sah noch gut aus. Aber in manchen Ecken war die Dämmung sehr ausgefressen. Gutachter 1 hatte auch schon mal ein Brett geöffnet, wo man die Reste der Steinwolle, Mäusegänge und Kot sah).

Meine Ideen waren:

1. Außenbretter abschrauben, Dämmung raus, über die Bretter mit Nut, Holzrahmen und Traglattung Folie verlegen, Dämmung wieder rein, Löcher ausfüllen, Außenbretter wieder drauf.

oder 2. Außenbretter abschrauben, Löcher ausfüllen, Folie über die Steinwolle verlegen, dann eine zweite Schicht Steinwolle drüber und Außenbretter wieder drauf. So würde evtl. auch die Folie glatter aufliegen.

Meine Fragen ist, wie dämme ich am sinnvollsten/muss ich vorgehen? Welche Stärke sollte das Material (hier Steinwolle) insgesamt haben? Welche Folie ist besser geeignet? Klimamembran oder Dampfsperre oder Dampfbremse? Was ich gelesen habe: Ist eine Klimamembran am sinnvollsten?

Anschließend würde ich auch gerne ein paar der Rigipsplatten austauschen, eben wo besonders stark der Schimmelbefall war. Ich habe gesehen, die sind hier alle getackert. Wie ich die rausbekomme, weiß ich noch nicht. Sollte ich wieder Rigipsplatten verwenden oder wären Spanplatten innen besser geeignet?

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Wohnraumschimmel entwickelt sich auf bestimmten Bereichen der Innenseite der Außenwand, die bei gegebener Raumluftfeuchtigkeit eine niedrigere Oberflächentemperatur als die übrigen Bereiche aufweisen (sofern keine Defekte von wasserführenden Rohrleitungen die Ursache sind). Niedrigere Oberflächentemperaturen sind immer auf Mängel der wärmegedämmten Konstruktion (lückenhaft und/oder nicht luftdicht ausgeführt bzw. durch Nager verursacht) zurückzuführen.

Bei kalter Witterung kommt es infolge der niedrigeren inneren Oberflächentemperaturen unmittelbar über diesen Flächen zu einem Anstieg der relativen Luftfeuchtigkeit auf über 80 %, wodurch eine der Wachstumsbedingungen für Schimmelpilze erfüllt ist. Eine zweite Wachstumsbedingung, nämlich das Vorhandensein einer Kohlenstoffquelle, ist allein durch die Papierfasern und Farben von Tapeten bzw. dem Karton der Gipskartonplatten ebenfalls gegeben.

Gelingt es Ihnen, durch die beabsichtigten Maßnahmen die Oberflächentemperaturen so zu erhöhen, dass sie bei Raumtemperaturen um 21 °C auf den kritischen Flächen einen Temperaturabfall in Winter von höchstens 3 bis 4 Grad haben feststellen, sollte es mit der Schimmelbildung vorbei sein. Dazu darf die relative Luftfeuchtigkeit in der Tendenz 55 % nicht übersteigen.

Die Höhe der Luftfeuchtigkeit beeinflussen Sie nahezu ausschließlich durch aktives Lüften, die Oberflächentemperatur aber erhöht sich nur durch Verbesserung der Wärmedämmung. Nebenbei bemerkt: Es darf angenommen werden, dass das ehemalige Ferienhaus überwiegend für die sommerliche Nutzung konzipiert war, einer Zeit also, wo es keine Schimmelprobleme geben sollte.

Ihre Überlegungen zur Verbesserung der Wärmedämmung sind aufgrund der Faktenlage also prinzipiell richtig. Die Dämmstoffstärke von 5 cm ist nach heutigen Maßstäben viel zu gering (heute mindestens etwa 15 cm), die Nager haben Lücken geschaffen, wo keine wärmedämmende Wirkung mehr vorhanden ist. Dies lässt sich bei winterlichen Temperaturen optimal durch Themografieaufnahmen von der Innenseite her lokalisieren.

Die von Ihnen vorgeschlagene Variante 2 würde ich in folgende Richtung weiterentwickeln: Nachdem Sie die Mineralwolledämmung ausgebessert haben, verlegen Sie über die ganze Fläche eine Klimamembran (feuchteadaptive Dampfbremse). Das Verlegen dieser Membran dient vor allem zur Herstellung einer luftdichten Konstruktion. Daher ist insbesondere an den Rändern der Fläche auf luftdichtes Verlegen bzw. Verkleben zu achten. Lassen Sie sich dazu von einem der Hersteller die Verlegevorschriften aushändigen und befolgen Sie diese genauestens. Wenn möglich lassen Sie sich vom Hersteller die gesamte Konstruktion bauphysikalisch durchrechnen.

Nach der Verlegung der Klimamembran ist eine weitere Dämmebene aufzubringen, z.B. eine mindestens 10 cm starke Holzfaserplatte (oder zwei Lagen a 5 cm). Die dafür eventuell erforderliche Verstärkung der Trag-Konstruktion ist mit einem Fachmann/Statiker zu besprechen, z.B. auch mit einem Herstellervertreter von wärmegedämmten Holzhäusern in Ihrer Nähe oder einem Anbieter von Holzfaserdämmplatten.

Eine Holzfaserdämmplatte ist nach außen hin winddicht und könnte anschließend auch unbelüftet verputzt werden; oder aber es wird eine belüftete Holzschalung angebracht.
Eine zusätzliche Dämmebene mit Mineralwolle auszuführen ist auch möglich, verlangt aber das Anbringen einer aufnehmenden Holzkonstruktion auf dem Rahmen der Außenwand. Die Winddichtung außen wird dann mit einer diffusionsoffenen Unterspannbahn hergestellt.

Abschließend möchte ich noch auf die staatlichen Fördermöglichkeiten für Dämmmaßnahmen im Gebäudebestand verweisen.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

Sanierungsforum

Stellen Sie Ihre Fragen an unsere Experten

Zu allen Fragen/Antworten im Sanierungsforum »

Handwerker-Suche

Finden Sie Energieberater, Handwerker und Sachverständige vor Ort

 
 

Newsletter-Abo

 
 
 
 
 
Energie-Fachberater.de verwendet Cookies. Durch die Nutzung unseres Ratgeberportals stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Datenschutzerklärung