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Expertenrat

Wir planen die Dämmung eines Reihenmittelhauses. Wie gehen wir dabei am besten vor?

Unser Experte Dipl.-Ing. Frank Nowotka antwortet

Frage von Peter S. am 20.01.2021 

Wir interessieren uns für eine Außendämmung unseres Reihenmittelhauses, allerdings frage ich mich, ob dies bei uns überhaupt umsetzbar wäre - und falls ja, wie? Zur Situation: Das Haus liegt in Hanglage, d. h. auf der Bergseite ist das Bodenniveau auf Höhe des Erdgeschosses, auf der Talseite geht die Erdgeschossfassade in die Kellerfassade über. Die Bergseite scheint mir recht unproblematisch zu sein, hier wäre allenfalls meine Frage, wie die Anschlüsse zum Nachbarn (der keine Dämmung hat) ausgeführt würden. Stirnfläche einfach verputzen?

Komplizierter wird es auf der gegenüberliegenden Seite: An der Talseite ist ein Balkon angebracht, der fast die gesamte Breite einnimmt (Links/rechts ca. 50 cm Abstand zur Grundstücksgrenze/Nachbar). Auf diesem Balkon wurde vom Vorbesitzer ein Kaltwintergarten angebracht. Die Glasflächen bzw. das Glasdach reichen bis über den Boden des ersten Stocks. Eine Entfernung/Neuerrichtung des Wintergartens käme für uns nicht infrage, da dieser erst 2016 errichtet wurde und dies wahrscheinlich auch einen zu hohen finanziellen Aufwand verursachen würde. Wie würde man hier verfahren: Wäre es möglich/sinnvoll, um den Wintergarten "herumzudämmen", d. h. unter dem Balkon, den Bereich darüber sowie die "Stege" links und rechts auf Höhe des Erdgeschosses?

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Die Wärmedämmung einer bereits mit Wintergarten versehenen Wand von außen ist kompliziert und aufwendig. Die Montage kann nicht wärmebrückenfrei ausgeführt werden, sodass wärmebrückenverursachte Probleme auftreten können. Kälteren Zonen auf der Innenseite der Außenwand können zu Behaglichkeitsstörungen, aber auch zu Kondensatniederschlag mit nachfolgender Schimmelbildung führen. Besonders problematisch erscheint in diesem Zusammenhang die Balkonplatte. 


Wenn der Kaltwintergarten nicht demontiert werden kann, empfehle ich eine Kombination aus einer Innendämmung der Außenwand Talseite und einer Dämmung der Unterseite der Balkonplatte (möglichst auch auf den Stirnseiten). 


Bei fachgerechter Montage bleibt eine Innendämmung bauschadensfrei. Voraussetzung ist, dass die Innendämmung hinterlüftungsfrei und möglichst lückenlos (Stichwort Fensterlaibung, mit Dämmkeil ausgestattet einbindende Innenwände bzw. Gebäudetrennwände und Geschossdecken) ausgeführt wird. 


Die Dämmung der Balkonplatte von unten dient der Reduzierung der Wärmebrückenwirkung der eingebundenen Betonplatte. So erhöht sich auch im Winter tendenziell die Temperatur im Wintergarten. Die Dämmung der Unterseite der Balkonplatte kann (sinnvoll) in eine Dämmung der Außenwand von außen in Richtung Keller übergehen. Die Dämmung dieses Abschnittes sollte bis mindestens 30 cm über die Unterkante der Kellerdecke hinausgehen. Es ist kein Fehler, die Kelleraußenwand bis ins Erdreich hinein zu dämmen, wodurch sich die Kellertemperatur erhöht. Voraussetzung ist eine funktionierende Horizontal- und Vertikalsperrung gegen Feuchtigkeit. Der Übergang vom alten Außenputz zur Außendämmung muss mit einer Blechabdeckung vor eindringendem Wasser geschützt werden.


Die Wärmedämmung auf der Bergseite sollte links und rechts zu den Nachbarn mit einem Kantenprofil (Eckschutzprofil mit Gewebe) ausgeführt werden, das überputzt wird. Es ist darauf zu achten, dass die Verklebungen der Dämmplatten mit der Wand links und rechts luftdicht abschließen, sodass keine Hinterströmung der Wärmedämmebene möglich ist. Ich empfehle die zusätzliche Einlage eines Kompribandes kurz vor der Kante, das anschließend mit dem Putz vollständig überdeckt werden muss.


Kommentare

Peter S.

Ich hatte vor Kurzem eine Frage zum Thema Dämmung eines Reihenmittelhauses gestellt ( https://www.energie-fachberater.de/expertenrat/expertenrat-daemmung-reihenmittelhaus-1611315575.php). Zuallererst: Vielen Dank für die Beantwortung. Das hat mir schon mal sehr weitergeholfen. Allerdings ergab sich für mich hierzu noch eine weitere Frage. Sie empfehlen ja die Dämmung der Balkonplatte von unten zur Vermeidung einer Wärmebrücke.

Gibt es eine Möglichkeit zu erkennen, ob der Balkon eventuell bereits thermisch getrennt ist? Ich habe in meiner initialen Frage leider vergessen zu erwähnen, dass der Balkon erst 1995 nachträglich angebaut wurde und als Anbaubalkon ausgeführt wurde. Er steht auf zwei Stahlbetonstützen. Leider kann ich nichts Genaues herausfinden, wie die Auflager ausgeführt sind (Isokorb oder nicht), da die Bauunterlagen nicht in meinem Besitz sind. (Balkon wurde vom Vorbesitzer gebaut). Gibt es von Ihrer Seite Erfahrungswerte? Falls nein: Gibt es eine Möglichkeit für mich, herauszufinden, wie die Anbindung des Balkons ausgeführt wurde?

Dipl.-Ing. Frank Nowotka

Die Balkonplatte zu dämmen macht natürlich nur Sinn, wenn es eine thermische Kopplung zur Geschossdecke bzw. Außenwand gibt. Bei einem vorgeständerten Balkon wird es aber vermutlich keinen Isokorb geben. Hier bleibt nur der Versuch, so gut wie möglich zwischen Außenwand und Balkonkonstruktion zu dämmen, wenn die Balkonplatte auf Abstand liegt. Möglicherweise ist die Balkonplatte aber auch auf Trägerelemente aus Stahl o. Ä. aufgelegt worden, die an der Außenwand bzw. der Geschossdecke angeschraubt sind. Dann ließe sich mithilfe einer Thermografiekamera der Verlauf der Isothermen ermitteln, woraus sich Schlussfolgerungen über die Wärmebrücke ableiten lassen. 

Dabei hilft es, wenn von außen und innen thermografiert wird. Bei der Gelegenheit erfahren Sie auch etwas über die Oberflächentemperaturen auf der Innenseite. Wenn es keine nennenswerten Temperaturunterschiede zwischen dem Außenbereich der Balkonplatte unmittelbar hinter der Außenwand und dem inneren Bereich kurz vor der Außenwand gibt, ist eine thermische Kopplung ohne eingefügte Dämmzone wahrscheinlich und es sollte gedämmt werden, wie bereits beschrieben.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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