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Expertenrat

Wie bringen wir die Fassadendämmung am Fertighaus von 1973 richtig an?

Frage von Swetlana M. am 28.10.2021 

Wir möchten unser Fertighaus aus dem Jahr 1973 dämmen. Können Sie uns erklären, wie man richtig dämmt? Der Wandaufbau ist folgendermaßen:
- Kunstharzanstrich
- 8 mm Asbestzementplatte
- 24 mm Sparschalung bzw. Luftschicht (belüftet)
- Perkalorpappe
- 100 mm Holzrahmenwerk (zwischen den Hölzern 40 mm Luftschicht)
- 60 mm Mineralfaserdämmstoff
- 16 mm Holzfaserplatte
- 0,4 NEPA Dampfbremse
- 10 mm Gipskartonplatte

Für Rückmeldungen wären wir sehr dankbar.

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Eine richtige Wärmedämmung reduziert den Wärmeabfluss von warm nach kalt auf ein Minimum. Dazu wird ein spezieller Wärmedämmstoff benötigt, der in einer bestimmten Dicke auf die Innen- oder Außenseite bzw. in einer Konstruktion (Außenwand, Decke, Boden) lückenlos auf- bzw. eingebracht wird. Da der Wärmedämmstoff zur Entfaltung größtmöglicher Wirksamkeit und zur Vermeidung von Bauschäden nicht mit Raum- oder Außenluft durchströmt werden darf, ist der luftdichte Einbau des Dämmstoffes von essenzieller Bedeutung. Es darf also weder warme Raumluft in den Dämmstoff eindringen, noch kalte Außenluft den Dämmstoff von außen durchströmen.

Unter der Maßgabe einer Lösung gänzlich ohne bauphysikalische Risiken ist eine Verbesserung des Wärmedämmvermögens (verringerter Heizwärmebedarf) und der Behaglichkeit (höhere Wandflächentemperatur) bei Ihnen nur mit erheblichem Aufwand möglich. Dazu müssen die Asbestzementplatten vorschriftsmäßig entsorgt werden. Auch alle weiteren Schichten bis zum Mineralfaserdämmstoff müssen abgebaut werden. Je nach Zustand des Mineralfaserdämmstoffes kann über einen Verbleib entschieden werden und der zur Verfügung stehende Hohlraum bis zur Vorderkante des Holzrahmenwerkes weiter mit Mineralwolle aufgefüllt werden. Statt der Mineralwolle kann die Dämmung auch mit Holzweichfasermatten oder mittels eines einblasfähigen Dämmstoffes (z.B. Zellulose, Holzfaser) erfolgen. Abgeschlossen wird die Dämmschicht mit der Montage von Holzfaserdämmplatten (z.B. 60 mm stark) auf dem Holzständerwerk, die auch die erforderliche Winddichtheit außen realisiert. Insgesamt erreichen Sie so eine Dämmschichtdicke von etwa 160 mm.

Anschließend wird senkrechte Lattung angebracht, um danach eine hinterlüftete Vorsatzschale montieren zu können. Ebenso ist es möglich die speziellen Holzfaserdämmplatten mit einem mineralischen Putz zu versehen. Für die Luftdichtheitsebene auf der warmen Seite ist eine lückenlos verlegte Dampfbremsbahn eines Materials mit feuchtevariablem Dampfdiffusionswiderstand (statt Nepa-Dampfbremse) einzubauen. Danach wird eine Lattung für eine Installationsebene montiert, auf die dann Gipskartonplatten angebracht werden.

Bevor Sie mit einer solch aufwendigen Baumaßnahme beginnen, sollten Sie sich Rat bei einem in Sanierungsfragen von Fertighäusern praxiserprobten Bauingenieurbüro holen. Dieses Büro sollte den genauen Schichtenaufbau und deren bauphysikalische Eigenschaften ermitteln und daraus ein Konzept entwickeln. Es sollte Sie auch fragen, ob Sie in Ihrem Fertighaus unangenehme Gerüche festgestellt haben. Bei Fertighäusern aus den 70er-Jahren wissen wir von der Verwendung von problematischen Holzschutzmitteln, deren gesundheitliche Auswirkungen abgeklärt werden sollten. Eventuell sind Maßnahmen am Holzständerwerk erforderlich.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 
 

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