Expertenrat

Warum ist der Heizwärmebedarf in der Anzeige vieler Baufirmen höher als der Endenergiebedarf?

Frage von Cathrine V. am 22.01.2023 

Wie kann es sein, dass die im Energieausweis für Neubauvorhaben angegebene „Endenergie“ niedriger ist als der Heizwärmebedarf (den man allerdings kaum vom Bauunternehmen vorab erhält)?

Die gesamte Werbung der Bauindustrie/Fertighausindustrie wirbt mit niedrigen Endenergiezahlen, teils unter 10, oft unter 30. Wenn man aber die Kennzahl „Heizwärmebedarf“ anfragt, sieht das Ganze schon anders aus. Und das deckt sich dann auch eher mit Verbrauchererfahrungen quer durch die Onlineblogs und Foren.

Antwort von ENERGIE-FACHBERATER  

Der Heizwärmebedarf beschreibt, wie viel Energie nötig ist, um die Wärmeverluste über die Hüllflächen eines Gebäudes auszugleichen und die Innenräume auf gewünschten Temperaturen zu halten. Er hängt ausschließlich von der Architektur und der energetischen Qualität der Wärme umschließenden Hüllflächen ab.

Der Endenergiebedarf beschreibt, wie viel Energie Sie aufwenden müssen, um den Heizwärmebedarf und den Warmwasserwärmebedarf zu decken. Er ist am Energiezähler ablesbar und bei Gasheizung immer etwas höher als der Heizwärmebedarf. Das liegt daran, dass die Anlage zum einen auch den Warmwasserwärmebedarf decken muss, zum anderen aber auch nicht mit einem Wirkungsgrad von 100 Prozent arbeitet. Es treten immer Verluste auf, die auszugleichen sind.

Das Verhältnis kann sich jedoch ändern, wenn Sie zum Beispiel mit einer Wärmepumpe heizen. Diese setzt auf Umweltwärme, die sie mit einem elektrischen Prozess nutzbar macht. Je besser das funktioniert, umso höher ist die Leistungszahl. Die Anlage muss dann beispielsweise nur eine Kilowattstunde Strom aus dem Netz beziehen, um drei oder mehr Kilowattstunden Wärme bereitzustellen.

Der am Zähler ablesbare Endenergiebedarf ist dadurch unter Umständen kleiner als der Heizwärmebedarf.

Die Werte sind im Energiebedarfsausweis zu finden und basieren im Neubau auf standardisierten Berechnungen. Da sich nicht jeder Mensch nach diesen Bedingungen richtet, fallen die realen Werte in der Praxis teilweise unterschiedlich aus. Das erklärt die von Ihnen angesprochenen Abweichungen.


Kommentare

Cathrine V.

Sie schreiben "Der Endenergiebedarf beschreibt, wie viel Energie Sie aufwenden müssen, um den Heizwärmebedarf und den Warmwasserwärmebedarf zu decken“, im GEG-Text scheint aber für den Neubau-Wohngebäude-Bedarfsausweis auch der Energiebedarf für Lüftung und Kühlung einzufließen?

ENERGIE-FACHBERATER 

Ja, das ist korrekt. In kleineren Wohngebäuden fallen beide Bereiche in aller Regel nicht stark ins Gewicht. Zudem sind Lüftungsanlagen und Klimaanlagen nicht in jedem Einfamilienhaus vorhanden. Aus diesem Grund haben wir das in diesem Kontext nicht aufgeführt. Maßgebend sind hier in der Regel der Heiz- und der Warmwasserwärmebedarf. Die Bedarfswerte für Lüftung und Kühlung sind ebenfalls zu berücksichtigen.

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Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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