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Expertenrat

Kann ich die Fassade eines Holzständerhauses schrittweise von innen dämmen?

Unser Experte Dipl.-Ing. Frank Nowotka antwortet

Frage von Artur W. am 19.03.2021 

Ich hätte eine Frage zum 70er-Jahre Holzständerhaus mit 15 cm Mineralfaserdämmung. Ist hier eine Dämmung möglich, indem Raum für Raum von innen die Wand aufgemacht wird, ein zusätzlicher Holzrahmen von innen davor gebaut wird, mit 10 - 15 cm, in den wieder Mineralfaser mit Versatz eingebaut wird. Das Ganze wieder mit OSB-Platten dicht verschließen. Damit verliert man etwas Wohnraumfläche, aber Fenster müssten nicht versetzt werden, die Außenhaut (mit 1-2 cm hinterlüfteter Klinker) wird nicht verändert. Das sollte in Eigenleistung machbar sein und mit einer Raumsanierung verknüpft werden können. Dabei könnten fehlende Steckdosen und Leerrohre nachgerüstet werden. Ist das Vorhaben sinnvoll oder spricht da was gegen und muss etwas Besonderes beachtet werden?

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Eine zusätzliche Dämmung von innen ist prinzipiell möglich. Die bereits vorhandene Dämmschicht mit 15 cm Mineralwolle verleiht der Wandkonstruktion einen U-Wert von ca. 0,27 W/m²K. Mit weiteren 10 bis 15 cm Mineralwolle kommen Sie überschlägig auf einen Wärmedurchgangskoeffizienten von 0,15 bis 0,12 W/m²K. Das wäre ein sehr guter Wert, der den Wärmebedarf für Heizung um ca. 20 bis 30 % gegenüber dem jetzigen Bedarf verringert. Der Aufwand ist allerdings beträchtlich und macht die Maßnahme wahrscheinlich nicht wirtschaftlich. Zusätzlich verbessert sich aber auch die empfundene Behaglichkeit. Die Gefahr von Bauschäden (z.B. Schimmelbildung) verringert sich durch die Maßnahme bei fachmännischer Ausführung.

Bei einer Dämmung von innen ist vor allem darauf zu achten, dass der zusätzliche Dämmstoff von der warmen Seite her luftdicht eingebaut wird. Warme Raumluft muss also daran sicher gehindert werden, von der Raumseite in die Konstruktion einzudringen. Beim Einbau von Mineralwolle ist außerdem eine dampfbremsende Schicht einzubauen. Beide Aufgaben, Dampfbremse und luftdichtende Schicht, lassen sich durch ein dampfbremsendes Material mit feuchtevariablen Eigenschaften gut realisieren. Lassen Sie sich dazu vom Anbieter der Mineralwolle für eine Innendämmung beraten. Dabei sollten die spätere Gesamtkonstruktion bauphysikalisch durchgerechnet und die genauen Eigenschaften der Dampfbremse festgelegt werden. Die Verarbeitungsrichtlinien des Anbieters des Innendämmsystems sind genauestens umzusetzen. Bei der Verlegung von Steckdosen und Leerrohren muss ebenfalls das Prinzip der Luftdichtheit beachtet werden, z.B. durch den Einbau einer Installationsebene. Eine abschließende Luftdichtheitsuntersuchung vor dem Anbringen der raumseitigen Verkleidung (Gipskarton oder Gipsfaser) ist empfehlenswert.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 
 

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