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Expertenrat

Ist ein Kalkputz nach einem Wasserschaden die richtige Wahl?

Frage von Andreas S. am 15.12.2014 

Wir haben einen Wasserschaden. Ich habe viel Mauerwerk freigelegt, damit die Ursache gefunden wird. Nach Klempnerarbeiten und Maurerarbeiten, treten jetzt wieder Flecke auf dem Putz auf. Mit einem Feuchtigkeitsmesser wird ein Überlauf der Feuchte gemessen. Der Maurer hat einen Kalkputz verwendet. War das so in Ordnung? Es ist zwischen Klempnern und Maurern eine Woche alles offen gewesen und keine Nässe zu sehen gewesen. Der Wasserschaden ist an einer Innenwand am Abflussrohr entstanden. Hat sicherlich nicht mit der Jahreszeit zu tun. Der Maurer hat sich die Flecke angesehen und sagt, das sei normal, weil im Hartbrandziegel Nässe aufgesogen war und durch das verputzen neue Nässe dazu gekommen ist.

Antwort von Dipl.-Ing. Frank Nowotka 

Ein Wasserschaden infolge eines Defektes an einem Abflussrohr verhält sich etwas anders als ein Wasserschaden, der infolge einer Undichtheit an einer wasserführenden und unter Druck stehende Wasserleitung entsteht. Im letzteren Fall wird die Schadensstelle kontinuierlich mit Wasser versorgt. Bei einer Abflussleitung kommt es  jedoch nur dann zum Wassernachschub, wenn die Leitung (verunreinigtes) Wasser führt.


Wenn nachgefragt wird, ob es einen jahreszeitlich auffälligen Zusammenhang gibt, will man ausschließen, dass das Schadensbild ganz oder teilweise von einer temperaturbedingten Kondensatbildung bestimmt oder ggf. überlagert wird. Wenn dies nicht der Fall ist, muss ein behobener Rohr-Schaden natürlich mit der Zeit abtrocken. Das geht allerdings nicht von einem Tag auf den anderen. Wenn die umgebenden Ziegelsteine sich mit Wasser vollgesogen haben, kann es schon einige Wochen dauern bis die Wand auf  Normalwerte getrocknet ist. Die Wahl des Maurers einen Kalkputz zu nehmen, ist eine richtige Entscheidung. Kalkputz reagiert wegen seines hohen pH-Wertes nach dem Abbinden relativ unempfindlich auf Durchnässungen. Das ist insofern von Bedeutung, da Durchfeuchtungen zu einem erhöhten oberflächlichen Schimmelpilzrisiko führen, was bei Kalkputzen aber deutlich verringert ist. Die Aushärtung erfolgt durch chemische Bindung von CO2 der Raumluft. Die Abbindezeit von Kalkputz beträgt bei trockenen Untergründen etwa ein Tag pro mm Putz. Bei vorher stark durchfeuchteten Untergründen kann es sehr lange dauern, bis die betreffende Stelle vollständig abgetrocknet ist. 


Hinweisen möchte ich noch darauf, dass das oberflächliche Schadensbild oftmals durch gelöste chemische Substanzen beeinflusst wird. Gerade bei längerer Einwirkung der schadensbedingten Durchfeuchtung durch Abwasser kann es infolge kapillarem Transport der Substanzen an der Oberfläche zu farblichen Veränderungen kommen.  

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Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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