Vor kurzem sind wir in unser Haus gezogen. BJ49, nun kernsaniert auf KfW-70-EE-Standard. Es wurden Dach und Fassade gedämmt, 3× Verglasung verbaut und eine WP installiert.
Der Bauleiter hat damals gemeint, eine Lüftungsanlage ist nicht nötig, es funktioniert auch mit Stoßlüften. Ein Lüftungskonzept haben wir seit unserem Einzug im März 25 noch nicht bekommen. Nach langer Recherche sind wir selbst auf die DIN 1946-6 gestoßen und fragen uns jetzt, ob nicht eine Lüftungsanlage nötig gewesen wäre, nicht nur zur Feuchtigkeitsminderung, sondern auch zum normalen Luftaustausch.
Wir haben im Winter trotz Lüften am Morgen regelmäßig Kondenswasser an den Dachfenstern und die Hygrometer sind alle über 50%. Sollte hier eine Lüftung nachgerüstet werden?
Die DIN 1946 Teil 6 regelt die Erstellung eines Lüftungskonzeptes. Dieses ist dabei immer dann erforderlich, wenn Sie mehr als ein Drittel der Fenster austauschen und/oder mehr als ein Drittel der Dachfläche abdichten oder erneuern. In Ihrem Fall trifft beides zu, weshalb ein Lüftungskonzept nach DIN zu erstellen ist.
Ob Sie nach Norm eine Lüftung benötigen, hängt davon ab, ob der natürliche Luftwechsel den nötigen Luftwechsel zum Feuchteschutz rechnerisch abdeckt. Unabhängig von der Norm können Sie aber auch selbst abwägen. Liegt die relative Luftfeuchtigkeit trotz Lüften dauerhaft bei 60 Prozent oder darüber, ist die Technik sinnvoll, um Probleme wie Schimmel sicher zu vermeiden. Bei Werten darunter können Sie regelmäßig lüften. Das funktioniert am besten nach Phasen hoher Feuchtebelastung – also zum Beispiel nach dem Kochen, dem Duschen oder morgens nach dem Schlafen.
Kondenswasser am Fenster ist dabei ein Anzeichen dafür, dass Sie lüften sollten. Problematisch ist das vor allem, wenn die Wände energetisch schlechter als die Fenster sind. Denn dann ist davon auszugehen, dass sich auch an diesen Kondenswasser bildet und Schimmel entstehen kann.
Sind Maßnahmen nötig und Sie möchten keine Lüftung einbauen, können Sie als Notlösung unter Umständen auch einen Luftentfeuchter betreiben. Dieser lässt Wasser gezielt kondensieren, um die relative Luftfeuchte zu reduzieren und Feuchteprobleme auszuschließen. Er führt allerdings nicht zu einer Verbesserung der Luftqualität in Bezug auf Gerüche, Sauerstoff und CO₂.
Unser Tipp: Besprechen Sie das Thema mit einem Energieberater aus Ihrer Region. Dieser erstellt das Lüftungskonzept, bevor er die Situation vor Ort fundiert einschätzt. Ansprechpartner finden Sie dabei in unserer Energieberater-Datenbank.