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Expertenrat

Welcher Effizienzhaus-Standard ist zu empfehlen, wenn wir ein Fertighaus neu bauen?

Frage von Christian S. am 14.10.2021 

Wir planen den Bau eines Einfamilienhauses mit Einliegerwohnung im Keller und angrenzender thermisch getrennter Garage. Das gesamte Objekt soll als Fertighaus entstehen und zudem wird auf einem Hanggrundstück (Von der Straße zum Garten ansteigend) gebaut, sodass sich ca. der 1/2 Keller im Erdreich befinden wird. Als Heizung wird eine LWWP mit Fußbodenheizung und ein separater Kaminofen in Kombination mit einer zentralen Lüftungsanlage + eine denzentral Lüftungsanlage in der Einliegerwohnung genutzt. Bauort liegt zudem in Baden-Württemberg, sodass auch noch eine PV-Pflicht hinzu kommt. (Azimut=30°, Dachneigung=30°, Satteldach)

Nun gibt es verschieden Aussagen / Empfehlungen von den Fertighausanbietern bezüglich des KFW-Standards. Im Gespräch sind im Moment die KFW-Standards KFW55-EE und KFW40-EE (Bzw. KFW40+).

Nun zu den Fragen:
Welche Stellschrauben gibt es zwischen diesen KFW-Standards, bzw. welche üben den größten Einfluss hierbei aus? Welche Einflüsse wirken sich hierbei evtl. auch negativ aus und sollten weggelassen werden?

Auf welche Punkte sollte ich bei den Fertighausanbietern besonders achten?

Der Fertighausanbieter, welcher KFW40+ empfiehlt, möchte an jedem Fenster einen Rolladen / Jalousie verbauen. Die LWWP verfügt hier zudem über eine Kühlfunktion. Warum will dies der Fertighausanbieter und kann ich evtl. auch preisgünstigere Verschattungen, wie Plissees verwenden? Wirkt sich die Kühlfunktion negativ aus?

Darüber hinaus steht nun ein Gespräch mit einem favorisierten Fertighausanbieter an, bei dem technische Fragestellungen geklärt werden sollen. Haben Sie uns hier Empfehlungen, welche Fragen wir im Bezug auf den KFW-Standard stellen sollten? Bei diesem Anbieter stehen im Moment KFW 55 und KFW 40 im Raum. Der U-Wert der Fertighauswand (Nicht die Kellerwand): U=0,177 W/m2K und im Gefachbereich: U=0,15W/m2K

Welchen KFW-Standard würden Sie uns mit diesen Randbedingungen empfehlen und warum?

Antwort von ENERGIE-FACHBERATER  

Um die entsprechenden Effizienzhaus-Stufen zu erreichen, gibt es grundsätzlich zwei wichtige Werte. Da ist einmal der Transmissionswärmeverlust, der allein vom Wärmeschutz der Hüllflächen abhängt. Daneben gibt es auch den Primärenergiebedarf, der etwas über die Effizienz der Energiebereitstellung aussagt. Letzterer hängt vom Wärmeschutz und der Heizung ab, weshalb beide Bereiche hier als Stellschrauben zu nennen sind.

Welchen Effizienzhaus-Standard Sie erreichen möchten, hängt von Ihren Wünschen und Zielen ab. Auch die finanzielle Situation und die Höhe der Kosten mit Förderung spielen dabei eine wichtige Rolle. Ohne Informationen dazu zu kennen, können wir Ihnen aus der Ferne leider keine Empfehlung geben.

Diese erhalten Sie aber im Gespräch mit einem Energieberater. Der Experte prüft die Planung individuell und zeigt auf, an welchen Stellen Sie sparen können. Die Kühlfunktion der Wärmepumpe wäre ein Beispiel dafür. Sie ist aller Voraussicht nach nicht zwangsläufig nötig, bei einer Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem Effizienzhaus 55 oder 40 aber sehr zu empfehlen.

Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen sorgt der Wärmeschutz dafür, dass Sie Wärme ohne Weiteres schlecht aus dem Haus bekommen, wenn sich dieses einmal aufgeheizt hat. Zum anderen temperieren Luft-Wasser-Wärmepumpe effizient, indem Sie kühles Wasser über die Heizflächen leiten. Sie profitieren von einem sehr hohen Wohnkomfort, ohne Zugluft oder laute Geräusche einer Split-Kälteanlage in Kauf nehmen zu müssen.

Ob die Rollos erforderlich sind, hängt vom Nachweis für den sommerlichen Wärmeschutz ab. Dieser ist bei einem Neubau zu erbringen, um ein zu starkes Aufheizen verhindern zu können. Plissees lassen in der Regel 50 bis 75 Prozent der Strahlungsenergie ins Haus, wohingegen Rollläden nur 25 Prozent der solaren Strahlungsenergie hindurch lassen. Letztere wirken dem Aufheizen dadurch entgegen und sind aus Sicht des sommerlichen Wärmeschutzes zu empfehlen. Positiver Nebeneffekt ist hier der höhere Einbruchschutz.

Für das Gespräch mit dem Fertighausanbieter können wir Ihnen ohne weitere Kenntnisse vom geplanten Gebäude leider keine konkreten Tipps geben. Aus diesem Grund empfehlen wir Ihnen den Kontakt zu einem Energieberater. Betreut dieser das anstehende Bauvorhaben bis zur Fertigstellung sind Sie auf der sicheren Seite. Außerdem bekommen Sie dann bis zu 50 Prozent Förderung für die Baubegleitung. Wichtig: Sie müssen einen Energieberater der Energie-Effizienz-Experten-Liste des Bundes beauftragen.

Bitte beachten Sie: Unser Expertenrat "aus der Ferne" kann den Vor-Ort-Termin mit einem Energieberater oder Sachverständigen nicht ersetzen. Wir beantworten alle Fragen nach bestem Wissen, aber nicht rechtlich verbindlich, und übernehmen keine Haftung. Die Experten liefern einen Anhaltspunkt, wie eine Lösung des jeweiligen Problems aussehen könnte und welche Fragen der Hausbesitzer dazu noch klären muss.
 
 
 
 

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